Archiv der Kategorie: Presse

Schulvortrag: Von der Aula in den Regenwald

Vortrag über die Yanomami von Christina Haverkamp an der JBS

Einen quirligen 6. Jahrgang für 90 Minuten mit Geschichten und Berichten so zu fesseln, dass sie im Anschluss noch viel mehr erfahren wollen – das muss man erst mal schaffen. Kein Problem für Christina Haverkamp. Dieser Name war den Kindern, die am 24. März in der Aula der JBS saßen, bereits aus dem Geographiebuch bekannt. Ihr jahrzehntelanger Einsatz für die Yanomami, eines der letzten noch ursprünglich lebenden Völker im Amazonasgebiet von Venezuela und Brasilien, wird dort beschrieben. Doch sie dann live zu sehen und zu hören ist etwas ganz anderes.

Ihren Vortrag kann sie in fünf Sprachen halten und sie hat ihn schon vor UN Mitarbeiter:innen, an der Harvard Universität in Boston und in ganz Europa gehalten. Und nun also in Pinneberg.
Der Vortrag folgte Christina Haverkamps Werdegang von ihrem Lehramtsstudium in Kiel auf ihre erste Expedition zu den Yanomami und auf viele weitere, die folgen sollten. Begleitet von eindrücklichen Bildern erfuhren die Kinder alles über das Leben und die Bräuche der Yanomami, aber vor allem auch über die Bedrohung durch rücksichtslose Politik, illegale Goldsucher und eingeschleppte Krankheiten.

Die Folgen von Malaria und Quecksilbervergiftung machten die aufmerksamen Kinder betroffen und allen wurde schnell klar, wie wertvoll Christina Haverkamps unermüdlicher Einsatz für den Schutz der Yanomami war und weiterhin ist. Ob der Bau von Schulen und Krankenstationen oder die Versorgung mit Funkgeräten, damit die weit verteilten Stämme miteinander kommunizieren können, all dies kostet Geld, Zeit, Expertise und Ressourcen. Mit den Einnahmen durch ihre Vorträge finanziert Christina Haverkamp seit 20 Jahren ihre Hilfsprojekte und reist weiterhin jährlich zu den Yanomami. Kein Wunder, dass die „ihre Christina“ am Ende ihrer Besuche nicht gehen lassen wollen. Und so wirkte es auch in der Aula der JBS. Noch lange nach Ende des Vortrags scharrten sich viele Kinder um sie und auch um die vielen Gegenstände, die sie von ihren Expeditionen mitgebracht hatte. Jagdspeere, Piranhas, Schmuck und selbstgebautes Spielzeug – in echt doch deutlich eindrucksvoller als nur auf Bildern.

Christina Haverkamp beantwortete geduldig die vielen weiteren Fragen der kleinen und großen Zuhörer:innen. Denn auch das Geographieprofil des Q1 Jahrgangs hatte sich nicht nur fleißig Notizen gemacht, sondern nutzte diese einmalige Gelegenheit für den Austausch mit einer Expertin für Entwicklungshilfe. Eine Frage, die viele Kinder noch beschäftigte, richtete sich allerdings eher an die Lehrkräfte vor Ort: Wie können wir die Yanomami noch mehr unterstützen? Kuchenverkauf, Flohmarkt oder ein Spendenlauf? Die Motivation ist hoch und wir werden sicher bald von der ein oder anderen Aktion berichten können.

Unser großer Dank richtet sich an den Verein der Freunde, der den Vortrag finanziell unterstützt und diese Veranstaltung so mit ermöglicht hat. „So sollte Lernen sein!“, sagte ein Schüler im Anschluss. Da können wir nur zustimmen!

Weitere Schülermeinungen:
„Eine lehrreiche und sehr spannende Präsentation mit für manche unvorstellbaren Dingen. Im Urwald lauern gefahren wie Stechmücken die Malaria verbreiten oder kleine bis große Tiere, aber das gefährlichste ist von Menschen gemacht: Quecksilber in Flüssen oder anderen Gewässern.“ – Georg, 6f

„Mir hat der Vortrag sehr gut gefallen und er war auch sehr spannend zum Zuhören. Mich hat es sehr beeindruckt, was Frau Haverkamp erreicht hat, vor allem die Reise mit dem Bambusfloß, weil es auch sehr gefährlich war über den Atlantik zu segeln.“ -Niklas, 6c
„Der Vortrag von Frau Haverkamp war sehr spannend und beeindruckend. Ich hätte nie gedacht, dass sie nur mit einem Bambusfloß über den Atlantik fahren konnte. Danke, dass wir einen Eindruck vom Leben der Yanomami bekommen konnten.“ – Frederik 6c

Goldsucher sind eine große Gefahr

Hans Zeller/PZ – 14.12.2024
Vortrag: Die Menschenrechtsaktivistin Christina Haverkamp berichtete in Schwaig von den Yanomami, einem bedrohten Volk im brasilianischen Regenwald.

Diese beeindruckenden Bilder der Yanomami zeigte Christina Haverkamp in einem Vortrag im Eine-Welt-Laden in Schwaig. Rechts zu sehen ist die Krankenstation, für die sie sich einsetzt.

Diese beeindruckenden Bilder der Yanomami zeigte Christina Haverkamp in einem Vortrag im Eine-Welt-Laden in Schwaig. Rechts zu sehen ist die Krankenstation, für die sie sich einsetzt.

Podcast mit Christina Haverkamp – Helden der Meere

Auf dem Bambusfloß über den Atlantik – mit Aktivistin Christina Haverkamp

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Helden der Meere,
Podcasts von Christian Weigand von Blue Awarness:

https://linktr.ee/Helden_der_Meere

„Ich lebe in zwei Welten“ Christina Haverkamp sprach am Voß-Gymnasium über ihr Leben mit den Yanomami

Quelle: der reporter, das Familienwochenblatt.
Eutin, 20. Dezember 2023

Nach dem Vortrag gab es Gelegenheit, die Original-Exponate näher zu besehen und mit Christina Haverkamp ins Gespräch zu kommen. Foto: A. Jabs

Nach dem Vortrag gab es Gelegenheit, die Original-Exponate näher zu besehen und mit Christina Haverkamp ins Gespräch zu kommen. Foto: A. Jabs

Eutin (aj). Vor den großen Fenstern ist es Winter, allen ist schon ein bisschen weihnachtlich zumute, in der Aula des Johann-Heinrich-Voß-Gymnasiums aber ist an diesem Dezembermorgen Amazonas-Hitze spürbar. Christina Haverkamp berichtet über ihre Zeit mit den Yanomami, einem Stamm, der bis heute im brasilianischen Regenwald weitgehend ursprünglich lebt. In den vollbesetzten Reihen vor ihr lauschen die Schülerinnen und Schüler fünften, sechsten und siebten Jahrgangsstufe. Die 6d hat die Aktivistin eingeladen, nachdem man sich im Geographieunterricht mit dem Thema befasst hatte. Lehrerin Maren Westensee lenkt den Blick der Schüler*innen nicht zum ersten Mal auf das indigene Volk, dessen Existenz fortwährend durch eine ignorante Politik und rücksichtslose Goldsucher bedroht ist. Und auch Christina Haverkamp kennt die Voß-Schule bereits, hat hier schon gesprochen.

Ihr Einsatz für die Yanomami hat an Aktualität nichts eingebüßt. Seit 35 Jahren verbringt sie im Jahr mindestens drei Monate im Amazonas: „Ich lebe in zwei Welten“, sagt sie. Die Mädchen und Jungen folgen ihr im Geiste in die Dörfer, in denen Jagen, Fischfang und Brotbacken tägliche Aufgaben sind, in denen man in der Hängematte schläft, Frauen sich von ihren zukünftigen Männern rauben lassen und eine Trennung ganz unprätentiös durch den Wechsel der Unterkunft vollzogen wird. In Christina Haverkamps bebildertem Vortrag kommt man den Menschen ganz nah, sie nimmt die Jugendlichen mit in das Abenteuer, die Fremde zu sein und Vertrauen zu erfahren. Einen Kalender brauchen die Stämme nicht, sie schmücken sich mit Zierstäbchen und duftenden Blättern und dass man hierzulande die geliebten Menschen nach dem Tod in der Erde begräbt, können sie nicht nachvollziehen. „Die Yanomami essen die Asche ihrer Verstorbenen in einem Brei, um ihre Seele weiterleben zu lassen“, erklärt Christina Haverkamp.

Nach ihrem ersten Aufenthalt mit dem Abenteurer und Aktivisten Rüdiger Nehberg war klar, dass sie wiederkommen würde. Mit dem Zusammenleben mit den Yanomami geht für sie der Kampf um deren Rechte einher. Sie hat Protestaktionen organisiert und sie sammelt fortwährend Spenden. Die fließen zum Beispiel in den Aufbau von Krankenstationen, die die Yanomami selbst leiten. Aktuell rührt Christina Haverkamp die Werbetrommel für eine weitere Krankenstation. Häufig organisieren Schulklassen, die sie besucht, Flohmärkte oder Basare, um die Einnahmen beizusteuern.

So ist auf diesen Vorträgen nicht nur etwas zu lernen über die Yanomami, es geht nicht nur um einen Perspektivwechsel und echte Neugier auf ein anderes Leben, in dem andere Maßstäbe gelten. Genauso wichtig ist die Erkenntnis, dass es sich lohnt, sich einzusetzen für Menschenrechte und Umweltschutz. Christina Haverkamps Lebensbericht ist eine Ermutigung: „Krass, was sie sich getraut hat“, staunt Momo aus der 7a nach dem Vortrag. Und Vanessa pflichtet bei: „Es ist interessant, was man in einem Leben alles schaffen kann!“ In Melissa aus der 6. Klasse ist das Fernweh geweckt. Sie könnte sich durchaus vorstellen, wie Christina Haverkamp die Komfortzone zu verlassen. Zu tun gibt es viel: „Die bittere Erkenntnis ist, dass die Yanomami bedroht sein werden, solange es Gier gibt“, konstatiert Haverkamp. Tatenlos hinnehmen wird sie das nie und das macht sie einem Vorbild für diejenigen, die ihr an diesem Vormittag zugehört haben.